Seit fast drei Jahren lebe ich in Barth. Nun habe ich es endlich geschafft, das Dammtor nicht nur von unten zu betrachten, sondern auch hinaufzusteigen. Der Aufstieg lohnt sich: Von oben öffnet sich ein weiter Blick über die Dächer der Altstadt, den Hafen, den Barther Bodden und die flache Landschaft rund um die Stadt.
Auch das Gebäude selbst ist sehenswert. Das rund 35 Meter hohe Dammtor ist das letzte erhaltene von ursprünglich vier Barther Stadttoren. Es gehörte zur mittelalterlichen Stadtbefestigung, sicherte den westlichen Zugang zur Stadt und war einst Teil einer aufwendigeren Toranlage mit Vortor, Mauern, Gräben und Wall. Die mächtigen Mauern, schmalen Treppen und unterschiedlichen Geschosse vermitteln noch heute sehr sichtbar, dass das Tor nicht nur repräsentatives Bauwerk, sondern vor allem eine Verteidigungsanlage war.
Das Dammtor gehört zugleich zu den wichtigsten Zeugnissen der norddeutschen Backsteingotik in Barth. Weil geeigneter Naturstein im Ostseeraum nur begrenzt verfügbar war, wurden Kirchen, Stadttore und andere repräsentative Gebäude seit dem Mittelalter häufig aus gebrannten Ziegeln errichtet. Aus dem zunächst zweckmäßigen Baustoff entwickelte sich eine eigene Architektursprache mit Spitzbögen, Blendgiebeln, Gewölben und kunstvoll gegliederten Fassaden. Barth ist inzwischen Mitglied der Europäischen Route der Backsteingotik.
Wer nach dem Dammtor weiter auf Spurensuche gehen möchte, findet in Barth mehrere lohnende Stationen: die mächtige St.-Marien-Kirche mit ihrem mittelalterlichen Chor und Hallenlanghaus, den spätmittelalterlichen Papenhof, die St.-Jürgen-Kapelle sowie den Fangelturm, einen weiteren Rest der früheren Stadtbefestigung. Alle Gebäude lassen sich auf einem gemütlichen Spaziergang durch die Altstadt Barths besuchen.
Derzeit ist das Dammtor wieder regelmäßig geöffnet. Mario Galepp und Holger Friedrich vom Barther Heimatverein öffnen bis Mitte September täglich den Eingang, über ein Baugerüst auf Höhe der ehemaligen Stadtmauer betreten werden kann.
Montag und Dienstag: 17:00-19:00 Uhr
Donnerstag bis Samstag: 9:30-11:30 Uhr
Sonntag: 10:00-14:00 Uhr
